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Fabergé - Hofjuwelier der Zaren
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Einleitung zur Ausstellung von 1986/87(GÉZA VON HABSBURG)Carl Peter Fabergé, Juwelier der Zaren, erweist sich immer wieder weltweit als absoluter Liebling des Publikums. Der Glanz seiner erlesenen, für die prachtliebenden Höfe Rußlands und Europas geschaffenen objets d'art von höchster Perfektion regt unsere Phantasie an und läßt uns in Nostalgie versinken. Die Fabergé-Ausstellungen der letzten Jahre in London (1977),(1) Helsinki (1980)(2), New York (1983)(3) und London (1985/86)(4) waren immer ein Erfolg. Vor der Londoner Ausstellung von I977 im Victoria and Albert Museum, ein Meilenstein für die Kenntnis von Fabergés Kunst, standen kilometerlange Schlangen: Sie erbrachte eine Gesamtzahl von 120 000 Besuchern. Das wirft die Frage auf : „Warum wieder eine solche Ausstellung?" Dem verwöhnten englischsprachigen Publikum wurden mittlerweile eine ganze Reihe von Ausstellungen, Büchern und erfolgreichen Auktionen geboten, die immer wieder die Aufmerksamkeit auf Fabergé lenkten und andererseits das lebendige Interesse an Fabergés Werk dokumentieren. In Großbritannien ist dieses Interesse eigentlich nie erlahmt, seit Königin Alexandra »Fabergés große Förderin im Westen« wurde. Die heutige Sammlung Ihrer Majestät Königin Elisabeths II. ist - wenn auch vielleicht etwas einseitig in ihrer Bevorzugung von Tierfiguren - immer noch die größte Ansammlung von Werken dieses Meisters. Die Firma Wartski in London trägt unermüdlich durch Bücher, Aufsätze und Ausstellungen zu Fabergés Publizität bei. Jenseits des Ozeans galten Armand und Victor Hammer und die Galerie A la Vieille Russie als Fabergés Wegbereiter und bemühen sich, den amerikanischen Geschmack wie auch einige der berühmtesten Sammlungen zu bilden. Die Ausstellung von 1983 bei A la Vieille Russie zeigte den unglaublichen Reichtum in amerikanischen Privatsammlungen und Museen. In den englischsprachigen Ländern ist Fabergé also ein feststehender Begriff. Während in England und den USA über tausend Schöpfungen Fabergés in öffentlichen und privaten Sammlungen bewahrt und als Zeugen des zaristischen Rußlands betrachtet werden können, gehört Fabergé in den meisten europäischen Museen in die hinteren Ränge des Kunstgewerbes. Nicht mehr als ein Dutzend seiner Werke sind, weit verstreut, auf dem Kontinent zu sehen: in Darmstadt, Doorn, Freising; Hamburg, Helsinki, München, Paris, St. Gallen und Stockholm. Er mag in Deutschland einem kleinen Kreis von Eingeweihten bekannt sein - das große Publikum hier weiß nichts von Fabergé. Höchstens die Schmucksteinreproduktionen nach seinen Tieren, Blumen und objets d'art in Idar-Oberstein haben auf ihn aufmerksam machen können. Aber diese Produkte - wie auch die vielen Fälschungen, die in deutschen Auktionshäusern herumgeistern - scheinen mir nicht der richtige Weg, in die Kunst Fabergés einzuführen. Dabei kann sich Deutschland einer reichen Fabergé-Tradition rühmen, die ins späte 19. Jahrhundert zurückgeht. Die russische Zarenfamilie war wohl mit der Hälfte aller herrschenden oder fürstlichen Häuser in Deutschland verwandt, wie Baden, Hannover, Hessen, Hohenlohe-Langenburg, Leiningen, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Preußen, Sachsen-Coburg, Sayn-Wittgenstein, Schaumburg-Lippe, Württemberg (siehe S. 17 ff.). In diesen Kreisen waren Werke Fabergés begehrte Weihnachts-, Oster-, Geburtstags- und Namenstagsgeschenke. Viele dieser Sammlungen wurden zerstreut, doch blieben zahlreiche Objekte auch als liebevoll gehütete Erbstücke erhalten. Carl Fabergé selbst und sein Sohn Eugene unterhielten persönliche Kontakte zu Deutschland, wie aus - erst neuerdings aufgezeigten - Verbindungen zu dem Steinschneidezentrum Idar-Oberstein und dem Juwelierzentrum Hanau hervorgeht. Diese Ausstellung zeigt zum ersten Mal eine Auswahl jener zahlreichen Stücke, die sich noch in deutschem Privatbesitz befinden und daher der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, dazu Objekte aus anderen königlichen Häusern wie Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Holland, Schweden und Thailand. Obgleich die Sowjetunion zwischen 1925 und 1938 einen Teil ihres Fabergé-Besitzes in den Westen verkaufte, hat sie eine Reihe wichtiger Werke zurückbehalten, darunter zehn kaiserliche Ostereier. Aus dieser Quelle erster Hand sollten so viele Objekte wie irgend möglich für die Ausstellung gewonnen werden, zumal viele von ihnen sonst im Depot verborgen liegen. Wenn es also ein erklärtes Ziel dieser Ausstellung ist, ein Maximum an unveröffentlichten oder nicht zugänglichen Fabergé-Objekten zusammenzubringen, so wurden doch zur Vervollkommnung dieser ersten deutschen Fabergé-Dokumentation auch in früheren Ausstellungen schon gezeigte Hauptwerke Fabergés aus westlichen Sammlungen hinzugenommen. Daneben verfolgt die Ausstellung einen didaktischen Zweck: Die Firma Fabergé ist bisher - von einer unzugänglichen Ausnahme abgesehen(5) - niemals in ihrem historischen Kontext gezeigt worden. Spezialisten, die zu Fabergés Quellen vorgedrungen sind, haben wohl auf seine Vorbilder im 17. und 18. Jahrhundert hingewiesen. Hier aber werden zum ersten Mal solche »Originale« Fabergés »Kopien« tatsächlich gegenübergestellt. Manche bekannten Beispiele waren nicht als Leihgaben verfügbar. Doch die vorgestellten - leider keineswegs vollständigen - Parallelbeispiele werden hoffentlich als »Katalysatoren« dienen und weitere Entdeckungen nach sich ziehen. Die Münchner Ausstellung betritt auch insofern Neuland, als sie Werke von Fabergés zahlreichen Konkurrenten vorführt. Objets d'art und Juwelen von Hahn, Köchli, Tillander und Bolin hat man bisher kaum der Präsentation für würdig erachtet, ebensowenig wie Silber und Emails von Sazikov, Ovchinnikov, Chlebnikov und Gratschev. Diese Werke zeigen, daß Fabergé kein isoliertes Phänomen war, das in einer Art Vakuum gearbeitet hätte. Doch gerade neben künstlerisch wertvollen Juwelen und objets d'art seiner Konkurrenten kommt Fabergés führende Stellung innerhalb des russischen Kunstgewerbes erst voll zur Geltung. Sein Einfluß strahlte weit über sein Land hinaus, nach Paris, London, Wien und Berlin. Eine Auswahl aus diesen Zentren, die auch Werke von Cartier und Boucheron enthält, ermöglicht interessante Einblicke in diese »Affiliation«. Erkenntnisse über Fabergé und seine Kunst liegen in deutscher Sprache bislang nur in sehr beschränktem Umfang vor. Auch auf diesem Gebiet also erschließt der Katalog Neuland. Neben allgemeinen Informationen will er verstreutes, schwer zugängliches Material zusammenstellen und andererseits neue, wertvolle Fakten zu Spezialfragen behandeln, so z. B. die russische und europäische Genealogie (S. 17 ff.), die kürzlich entdeckten Zeichnungsbände mit Juwelen (S. 47 ff.), Fabergés Schmucksteinfiguren (S. 75 ff.) und seine Kontakte zu Idar-Oberssein (S. 73, 323). Als vor 24 Monaten die Ausstellungplanung begann, stimmten die meisten privaten Sammler und Eigentümer spontan zu, sich für beinahe vier Monate von ihrem kostbaren Besitz zu trennen. Ihnen kann gar nicht genug gedankt werden, denn ohne ihre Leihgaben wäre die Ausstellung selbstverständlich nicht möglich. Auch die angesprochenen Museen erfüllten - von zwei bedauerlichen Ausnahmen abgesehen - alle Leihwünsche. Bei manchen extrem fragilen oder besonders kostbaren Gegenständen verbot sich allerdings die Ausleihe aus konservatorischen Gründen. Auch die Schwierigkeiten des Leihverkehrs mit so weit entfernten Ländern wie Siam, Finnland, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion brachten gewisse Beschränkungen mit sich. Doch in einer Zeit, wo ein Osterei von Fabergé für 1,7 Millionen Dollar den Besitzer wechselt, darf man sich wohl glücklich preisen, wenn zwölf solcher Kunstwerke versammelt sind, darunter so berühmte Beispiele wie das Krönungsei aus der Sammlung des Forbes Magazine (Kat. 539) oder das Ei mit der Transsibirischen Eisenbahn aus dem Kreml (Kat. 540). Der wärmste Dank der Organisatoren gilt vor allem Ihrer Majestät Königin Elisabeth II. von Großbritannien und Ihrer Majestät Königin Elisabeth, der Königin-Mutter für ihre - trotz der vielen ähnlichen an sie herangetragenen Bitten - in so großzügiger Weise gewährten Leihgaben, und ebenso Ihrer Majestät Königin Margarethe II. von Dänemark, die aufs liebenswürdigste der Ausleihe aus den königlich dänischen Sammlungen zustimmte. Dasselbe gilt für die freundliche Unterstützung Ihrer Majestät der Königin der Niederlande, Seiner Majestät König Carl XVI. Gustaf, König von Schweden und Seiner Majestät König Bhumipol Adulyadej von Thailand sowie aller genannten und anonymen Leihgeber. Besondere Verdienste um die Ausstellung hat sich auch Mr. Malcolm Forbes erworben, der zahlreiche Leihgaben aus seiner berühmten Sammlung in außerordentlich großzügiger Weise beisteuerte. Mein persönlicher Dank gilt einer Anzahl befreundeter anerkannter Kollegen und FabergéExperten. Mr. A. Kenneth Snowman von Wartski, London, leistete unschätzbare Hilfe bei schwer zu beschaffenden Leihgaben, stellte nicht nur sein Archivmaterial, sondern auch seine große Erfahrung zur Verfügung und steuerte ein faszinierendes Kapitel zum Katalog bei; darüberhinaus gewährte er eine Reihe Leihgaben aus der Sammlung der Firma Wartski. Mr. Peter Schaffer und Mr. Paul Schaffer, New York, nahmen meine lange Liste von Leihwünschen freundlich auf, besorgten Objekte aus amerikanischen Sammlungen und fügten viele schöne Stücke aus der Sammlung ihrer Firma »A la Vieille Russie« bei. Frau Ulla Tillander-Godenhielm, Helsinki, erklärte sich in liebenswürdiger Weise bereit, Leihgaben aus finnischen Privatsammlungen zu beschaffen, steuerte Archivmaterial aus ihrem Fabergé-Katalog von 1980 bei und lieh Stücke aus der Sammlung der Firma Tillander. Durch Vermittlung von Mr. Christopher Forbes, Vizepräsident der Forbes Magazine Collection, New York, und stets leidenschaftlich an dem Thema interessiert, gelang es, uns die vielen Leihgaben aus der einzigartigen Sammlung seines Vaters, zweifellos der bedeutendsten ihrer Art, zu ermöglichen. Außerdem opferte er seine kostbare Zeit für ein Kapitel im Katalog über das Sammeln von Fabergé-Objekten in Amerika. Auch Mrs. Margaret Kelly des Forbes Magazine, die viele verzweifelte Telephonanrufe geduldig beantwortete, trug zum Gelingen sehr wesentlich bei. Dr. Alexander Herzog von Württemberg möchte ich danken für seine Hilfsbereitschaft, genealogische bzw. physiognomische Probleme zu lösen und für sein wertvolles Kapitel über die weitverzweigten Familienbeziehungen des Zarenhauses. Weiter möchte ich ausdrücklich Herrn Marke Zervudachi, von Niarchos, London, Herrn Alexander von Solodkoff der Ermitage Gallery, Herrn Geoffrey Munn von Wartski und Herrn Luigi Bandini von Eskenazi, London, für ihre freundliche Hilfe danken. Mein Dank gilt ferner den vielen Museumskonservatoren, die mich persönlich bei Leihgaben aus ihren Abteilungen oder durch Photo- bzw. Informationsbeschaffung für den Katalog unterstützten: Mrs. Claire Le Corbeiller des Metropolitan Museum of Art, New York; Mr. Roy D. R. Betteley der Marjorie Merriweather Post Collection, Hillwood, Washington, D. C.; Mr. Edgar John Bullard III des New Orleans Museum of Art; Miss Frances Dimond des Photo-Archivs Windsor; Dr. Rudolf Distelberger des Kunsthistorischen Museums Wien, Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe; Herrn Mogens Bencard und Herrn Jorgen Hein von Schloß Rosenborg, Kopenhagen; Mr. R. W. Lightbown und Mr. R. Edgecombe des Victoria and Albert Museum, London; Herrn Ole Willemsum Krog der Königlich-dänischen Sammlungen, Kopenhagen; Direktor Dr. Joachim Menzhausen des Grünen Gewölbes, Dresden; Mr. Kevin Stayton des Brooklyn Museum; Mr. W. R. Johnston der Walters Art Gallery, Baltimore, und Mr. M. Urwick-Smith der Wernher Collection, Luton Hoo. Last not least gilt mein herzlichster Dank meinem Vetter Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern, Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums München, der die Idee zu der Ausstellung hatte und an ihrer Vorbereitung jederzeit tätigen Anteil nahm, nicht zuletzt durch Leihverhandlungen, besonders mit den Behörden der Sowjetunion. Ohne seinen Enthusiasmus könnte die Ausstellung überhaupt nicht stattfinden. Ebenso danke ich Frau Irmengard Scrinzi von seinem Museum und Frau Ingrid Krause von der Hypo-Kulturstiftung; die alle Probleme der Vorbereitung einschließlich Post- und Telephonverkehr gewandt meisterten. Ohne die Engelsgeduld von Herrn Albert Hirmer, seiner Mutter, Frau Aenne Hirmer, und seiner Schwester, Frau Irmgard Ernstmeier-Hirmer, sowie des Lektors des Verlages, Herrn Dr. Till Leberecht Lahusen, wäre das Projekt am Ende beinahe noch gescheitert. Ihnen allen sei aufrichtiger Dank ausgedrückt. Schließlich darf ich Herrn Dr. Hans Fey und Herrn Peter Ade von der Hypo-Kulturstiftung
danken und gratulieren, daß sie das Wagnis und die Kosten eines so komplizierten Unternehmens unerschrocken auf sich nahmen und für einen würdigen Rahmen sorgten. 1. Fabergé 1846-1920. The Victoria and Albert Museum, London. I977.
2. Carl Fabergé and his Contemporaries. Museum der angewandten Künste, Helsinki,
1980.
3. Fabergé, Jeweler to Royalty. Cooper-Hewitt Museum, New York, 1983, und Fabergé.
A la Vieille Russie, New York, 1983.
4. Fabergé from the Royal Collection. The Queen's Gallery, Buckingham Palace, London,
1985/86.
5. Die Ausstellung in Helsinki 1980, die von der Firma Tillander organisiert wurde, zeigte außer den
Werken Fabergés zahlreiche Arbeiten dieser Goldschmiede. |
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Katalog zur Ausstellung von 1986/87Die Ausstellung wird veranstaltet vom Bayerischen Nationalmuseum und der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München AUSSTELLUNG KATALOG CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
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