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Otto Mueller. Eine Retrospektive |
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Von 1992 bis 2002 wurde im Museum Folkwang
Essen am Verzeichnis der Gemälde und Papierarbeiten von Otto Mueller gearbeitet. Anlässlich
der ersten Veröffentlichung dieses lang erwarteten Werkkataloges auf CD-Rom zeigt die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München eine
große Ausstellung dieses stillen Expressionisten. Der 1874 im schlesischen Liebau geborene Otto Mueller zog nach kurzem Studium an der Dresdner Akademie 1908 nach Berlin,wo er sich für kurze Zeit den Künstlern der »Brücke« anschloss. Im Vergleich zu deren aggressiv farbigen Bildern, die das Thema Großstadtleben umkreisen, sind seine zurückhaltenden Kompositionen, meist Badende in unberührter Landschaft oder Akte im Atelier, Ausdruck einer Sehnsucht nach Harmonie zwischen Mensch und Natur. Zeitgleich mit seiner ersten größeren Ausstellung in der Galerie Paul Cassirer 1919 erhielt Mueller eine Berufung an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem frühen Tod 1930 lehrte. Den von Carl Hauptmann 1907 ins Leben gerufenen Mythos seiner angeblichen Zigeunerherkunft nährte er selbst durch eine Werkgruppe mit Zigeunermotiven, die auf zahlreichen Reisen in den Balkan zwischen 1924 bis 1930 entstanden. Bis auf die Gedächtnisausstellungen in Breslau und Berlin 1931 und eine Schau in Hannover, mit weiteren Stationen in Bremen, Hagen und Duisburg 1956/57, wurde Otto Mueller noch nie umfassend gewürdigt. Mit dem Etikett »Brücke«-Maler oder »Zigeuner-Mueller« abgestempelt, wird er daher gern übersehen. Es ist also höchste Zeit, das Werk Muellers mit 80 Gemälden, 45 Aquarellen und Zeichnungen sowie 31 handkolorierten Lithografien umfangreich zu präsentieren. Die Ausstellung gewährt auch Seitenblicke auf Otto Muellers Weggefährten, neben den »Brücke«-Künstlern Kirchner, Pechstein, Heckel, Nolde und Schmidt-Rottluff werden hier Zeitgenossen wie Carl Hofer, Eugen Spiro oder Wilhelm Lehmbruck mit Beispielwerken gezeigt. Aber auch künstlerische Väter, die sein Frühwerk prägten, von Ludwig von Hofmann über Hans von Marées bis zu Franz von Stuck, werden exemplarisch vorgestellt. Durch solche Konfrontationen wird Muellers intensive Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst seiner Zeit verdeutlicht. Sein zentrales Thema »Badende in der Landschaft« wird durch den direkten Vergleich mit Gemälden von Paul Cézanne, Emil Othon Friesz und Ernst Ludwig Kirchner neu positioniert. In München, wo Mueller sich 1898/99 für autodidaktische Studien aufhielt, wurde bereits 1910 eine seiner ersten Ausstellungen gezeigt; hier wird nun rund 90 Jahre später, über siebzig Jahre nach seinem Tod, die erste große Retrospektive vom 21. März bis zum 22. Juni 2003 zu sehen sein. Als Kuratoren betreuen dieses Projekt Dr. Mario-Andreas von Lüttichau und Tanja Pirsig (Museum Folkwang) gemeinsam mit Dr. Christiane Lange (Hypo-Kunsthalle). Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel Verlag, München. Das Werkverzeichnis wird gleichzeitig als CD-Rom veröffentlicht und liegt der Buchhandelsausgabe bei. Begleitend zur Ausstellung finden Vorträge im großen Vortragssaal des Literaturhauses, Salvatorplatz 1, statt. Mit einer Eintrittskarte zu der Ausstellung ist die Teilnahme an den Vorträgen kostenfrei. Anmeldungen sind im Literaturhaus unter Telefon 089 - 29 19 34 27 möglich. |
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